Neugeboren zum ersten Mal - das Kunstherz hat mich gerettet

Im Mai 2013 erhielt ich ein Kunstherz. Wie kam es dazu?

Zuvor lebte ich fast 10 Jahren mit einer dilatativen Kardiomypathie bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Im Alltag funktionierte es ganz gut, aber arbeitsfähig war ich nicht mehr. Dank der täglichen Medikamentendosis, die im wesentlichen aus Betablockern, ACE-Hemmern, Blutverdünnern und Entwässerungstabletten bestand, hielt ich mich durchaus akzeptabel über Wasser. Zudem hatte ich einen implantierten Defibrillator, der mehrfach aktiv wurde und meinen mitunter völlig irren Herzrhythmus zumindest vorübergehend wieder ins Lot brachte. Ich stellte mich aber trotzdem schon regelmäßig im DHZB vor, um zu sehen, ob ich schon ein Transplantationskandidat bin.

Im November 2012 kam es dann zu einem schlimmen Einbruch. Ich wurde Dauergast in Krankenhäusern. Die Herzleistung war mittlerweile so stark abgesunken, dass eine Transplantation unbedingt in Frage kam. Man begann mit den Untersuchungen, ob ich "gelistet" werden könne bzw. müsse. Dank einer durchaus erfolgreichen Reha-Maßnahme erholte ich mich noch einmal so weit, dass ich nach vier Monaten Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause zurückkehren konnte.

Doch dieser Abschnitt war nur von kurzer Dauer.

Wieder ging es ins Krankenhaus, und dann in letzter Not ins DHZB, wo sofort eine Dringlichkeitslistung veranlasst wurde. Mit dem Status "High Urgent" zog ich ins Paulinen-Krankenhaus, wo ich auf die Transplantation wartete. Das war im Mai 2013.

Mein Aufenthalt in der Pauline währte nicht lang. Nach wenigen Tagen verschlechterte sich mein Zustand so stark, dass ich kurz vor dem Ende stand.

Oberärztin Frau Dr. Schweikert erläuterte mir, dass ein Kunstherz vermutlich die letzte Chance sei, wenn nicht innerhalb weniger Stunden doch noch ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung stehen würde. Ich willigte ein, denn ich wusste ja selbst, wie schlecht es um mich stand. Was folgte, war ein Umzug von der Pauline ins DHZB. Dort wurde ich dann noch am selben Tag operiert, und als ich wieder aufwachte, hatte ich diesen Apparat vom Typ Heartware in mir! Offensichtlich gab es in der Kürze der noch zur Verfügung stehenden Zeit kein Spenderorgan. Das Kunstherz unterstützte die kümmerliche Restleistung meines Herzens so sehr, dass ich mich doch recht schnell wieder erholte.

Obwohl ich ja schon sehr geschwächt und bettlägerig war, als ich in die Pauline kam, dauerte es nach der Implementierung des Kunstherzens nur rund einen Monat, bis ich so weit gestärkt war, dass ich in die Reha gehen konnte.

Dort baute man mich weiter mit großem Erfolg auf, und ich konnte zwei Monate nach der OP nach Hause entlassen werden. Ich fühlte mich gut und war froh und glücklich, am Leben zu sein und einen guten Alltag zu erleben.


Porträt Jürgen Boie


Ich heiße Jürgen Boie und wohne in Nittel. Das liegt an der deutsch-luxemburgischen Grenze an der Mosel, 25 km südlich von Trier. Geboren wurde ich 1960 in Hannover, mit 19 Jahren zog ich nach Berlin, studierte dort an der FU Berlin und begann 1990, für verschiedene Fernsehsender der RTL-Gruppe zu arbeiten. 1996 wechselte ich zum Kinderkanal von ARD/ZDF, wo ich bis zum Ende meiner beruflichen Laufbahn im Mai 2004 erst als Sendeleiter und dann als Leiter der Programmplanung arbeitete. Ich bin verheiratet und habe zwei Töchter.

Zur IOP kam ich als Patient. Zunächst als Wartepatient auf der Dringlichkeitsliste für eine Herztransplantation, dann als Kunstherzpatient. Seit August 2014 bin ich erfolgreich transplantiert und bin gern bereit, meine Erfahrungen weiterzugeben.

 

Jürgen Boie

01.02.2016