Herztransplantation

Ein Erfahrungsbericht von Frank- Rüdiger Hoppe

August 1992

Für die erste Hälfte dieses Monats hatten meine Frau und ich unseren Jahresurlaub geplant. Als begeisterte Radfahrer wollten wir mit unseren Söhnen eine mehrtägige Radtour durch die Lüneburger Heide machen. Dies taten wir. Ende August gingen wir wieder unserer Arbeit nach. Ich war zu dieser Zeit bei einem Getränkehändler als Kraftfahrer beschäftigt. Gleich am ersten Tag merkte ich dass mit meinem Körper etwas nicht mehr stimmt. Ich war sehr kraftlos. Konnte keinen Kasten Getränke mehr tragen. Mein Hausarzt veranlasste zwei ambulante Untersuchungen. Danach überwies er mich in unser Südharzklinikum in Nordhausen Station Kardiologie.

Nach drei Tagen und mehreren Untersuchungen stand fest ich hatte eine Herzmuskelentzündung. Diese ist bekanntlich nicht heilbar.

Am ersten Juni 1993 wurde ich EU-Rentner. Im ersten Moment war das schlimm für uns Vier. Später zeigte sich das es ein Segen war. Durch die nun geringe Belastung stabilisierte sich mein körperlicher Zustand. Im Dezember 1995 laß ich in einer Zeitung einen Bericht von einem Menschen aus Dresden der mit der gleichen Krankheit und den Symptomen wie bei mir nach Berlin in das Deutsche Herzzentrum verlegt worden war. Im DHZB wurde ihm letztendlich ein Spenderherz transplantiert. 

Ich rief im DHZB an und konnte mich am 05.Januar 1996 in der TX Ambulanz vorstellen. Nach einer Untersuchung (Echo) wurde ich am Ende dieses Gespräches für eine Herztransplantation akzeptiert. Ich war geschockt. 

Auf zehn A4 Seiten, die ich mitnehmen konnte, war in groben Zügen beschrieben wie eine HTX abläuft. Außerdem gab man mir den guten Rat abzunehmen. Das wäre von Vorteil bei einer Transplantation. (Ich wog 136 Kg).
Mit Hilfe meiner Frau hatte ich Mitte 2000 56 kg abgenommen. Es folgten immer wieder ambulante Vorstellungen im DHZB und bei meiner Hausärztin. Meine linke Herzkammer hatte gute 30 bis 35% Pumpleistung. 

Zum Jahreswechsel 2012/ 2013 änderte sich das schlagartig. 

Meine Belastungsfähigkeit wurde immer weniger und ich immer schwächer. Nach Untersuchungen im DHZB wurde ich am 24. Mai 2013 das erste Mal in die „Pauline“(Paulinenkrankenhaus, Berlin) eingewiesen und nach der Auswertung der Untersuchungsbefunde am 07. Juni das erste Mal HU gelistet. Mein Zustand wurde immer schlechter. Als es gar nicht mehr ging und kein Spenderorgan zur Verfügung stand wurde mir am 28. Juli ein Kunstherz implantiert. Das war erstmal meine Rettung. Mit der Unterstützungspumpe lebte ich 3 Jahre 4 Monate und 10 Tage. Zuerst gut mit vergehender Zeit häuften sich die Probleme. Am 11. Oktober 2016 gab es das Chaos, fünf Tage später wurde ich wieder HU gelistet und wartete in der „Pauline“ nur 56 Tage. Welch ein Glück. 

Am 08.Dezember 2016 begann meine Transplantation. Die ersten zweieinhalb Wochen danach waren nicht leicht. Dann ging es Stück für Stück bergauf. 

Anfang 2017 hatte ich auf der Station H3 immer mal Besuch vom Verein „ transplantiert e.V.“. Das war sehr hilfreich. Im November 2017 sind meine Frau und ich dem Verein beigetreten.

Nun lebe ich schon vier Jahre mit meinem Spenderherz und hoffe es bleibt noch lange so gut.

In der Geschichte „Herzschlag nach Herzschlag“ könnt Ihr lesen wie meine Frau und ich die entscheidende Zeit vor meiner Herztransplantation, während der Transplantation und die erste kurze Nachbehandlung bis zum Ende der Kur wahrgenommen haben.

 

Frank-Rüdiger Hoppe